Konvent

„Osteopathie und Darm“
Bericht vom 8. Konvent der DAAO e.V. in Köln vom 9.-11.11.2018

„Osteopathie und Darm“ – das Organisationsteam des diesjährigen Konventes der DAAO hatte einen Volltreffer gelandet. 140 Teilnehmer nahmen sich in Vorträgen und Workshops mit großem Interesse dieses aktuellen Themas und seiner verschiedendsten Facetten an.


Der Eröffnungsvortrag zu „Ernährung und Osteopathie“ (Dr. P. Kramme) spannte einen breiten Bogen von der Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin, zur Beratung in Ernährungsfragen und der Leitlinie des häufigsten Beratungsanlasses, der Adipositas. Neben 7 Ernährungstipps und Empfehlungen von Selbsthilfeliteratur für Patienten , endete der Vortrag neuen anatomischen Erkenntnissen zum N. vagus. Die Ökotrophologin S. May, die sich als Redakteurin mit Landwirtschaft und Ernährung auseinandersetzt, zeigte in Ihrem Vortrag „Qualität unseres Essens mit Auswirkungen auf unsere Gesundheit“ wie in der Nahrungskette aufgenommene Sulfonamide den Folatstoffwechsel beeinflussen können. Sie informierte über von Schimmelpilzen produzierte Nahrungzusatzstoffe wie z.B. Citronensäure, die sich in Fruchtsäften, Zitronenaromen, Putzmitteln und nicht zuletzt in Medikamenten finden und zu Allergien führen können. Eine faszinierende neue Sicht auf die Bakterien und das Mikrobiom als Partner im Körper ergab sich durch den Vortrag der Fachautorin Dr. med. A. K. Zschocke. In ihrem sehr anschaulichen Vortrag gelang es ihr, das multidimensionale und komplexe Mikrobiom mit seinen über Signale kommunizierenden Einzellern als Gemeinschaftsorgans verständlich zu machen, das auch mit allen Körpersystemen von der Zeugung an lebenslang in Kommunikation steht. Da Bakterien in Zusammensetzung und Aktivität dem Nährstoff- und Milieuangebot folgen, liesse sich das Mikrobiom aktiv gestalten. Das linear-kausale Denken mit der Suche nach Ursachen und Folgen von Krankheit durch Bakterien als „Krankheitserreger“ oder „Gesundheitsbakterien“ sei eine Folge der Bakterienforschung im 19. Jahrhundert. Mit der praktischen Mikrobiomtherapie einschließlich der Anwendung von Effektiven Mikroorganismen sei eine Kooperation mit den Bakterien möglich. Diese steigere die Wirkung einer osteopathischen Behandlung und ermögliche tiefgehende Heilung. Der Einsatz mikrobiomgemäßer Hygiene diene darüber hinaus der Gesundheit des Arztes und sei leicht in den Praxisalltag zu integrieren. In der nachfolgenden Diskussion wurde insbesondere die sprachliche philosophische Betrachtungsebene von Bakterien als zu Mikrobiom und zu vernichtende Feinde intensiv diskutiert.


Wie bei jedem Konvent wurde ein Großteil der Vorträge von osteopathischen Ärztinnen und Ärzten der DAAO gehalten. C.-A. Krebs setzte sich mit Studien zu Mikrobiom und Wechselwirkungen mit dem ZNS auseinander, Dr. med. H. J. Kirlum mit aktuellen Studien zum Darm in Bezug auf die Kinderchirurgie. Dr. med. J. Kleinhenz schilderte aus ihrem klinischen Alltag die Behandlung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten durch Verbesserung des Mikrobioms und zeigte interessante Studien zum Einsatz von Heilerde. Biochemische Aspekte der Mitochondropathie bei silent inflammation und deren Diagnostik durch Dr. med. A. Refisch rundeten den Themenbereich ab. Durch Dr. S. Frank und Dr.med.dent. R. Peuser mit „Form follows function“ und „Gut gekaut ist halb verdaut“ wurde das Auditorium auf einem fulminanten Parcours durch die Craniomandibulare Dysfunktion und die Behandlung in der bioästhetischen Zahnheilkunde mitgenommen. Die Schnittstelle der zahnärztlichen und ärztlich - osteopathischen Tätigkeit war Gegenstand lebhafter Diskussion im Auditorium. Nicht zuletzt Dr. L. Korff kam bei seinem Vortrag zu Bauchschmerzen bei CMD und seinem Ansatz eines osteopathischen Erklärungsversuches auf den häufigst genannten Nerven des Wochenendes zurück - den Nervus vagus.

Erstmalig eröffnete am Freitag-Abend ein kollegialer Austausch an der Behandlungsliege den Konvent. „Wie es die alten Hasen machen“. Kurslehrer und -lehrerinnen und weitere „alte Hasen“ behandelten an der Untersuchungsliege osteopathisch und standen in Kleingruppen sehr interessierten Kolleginnen und Kollegen Rede und Antwort. Dies führte zu einer lebendigen Diskussion über primäre Läsionen, einzelne Techniken und Behandlungsabläufe. Einhellige Meinung der Teilnehmer - gerne wieder!


Nach konzentriertem Zuhören und Arbeiten in den Workshops lockte das wunderbar zusammengestellte Gesellschaftsprogramm mit einer Stadtführung durch die Kölner Südstadt mit einer willkommenen Bewegung. Beim „Get together“ am Freitagabend wurde es eng - was den kollegialen Austausch nicht abträglich war. Dies zeigte sich auch auf dem Konventabend am Samstag, erstmals durch Livemusik bereichert - sofortiges Tanzen war die Folge.


Es herrschte eine inspirierende und angeregte Stimmung voller neuer Ideen und Erkenntnisse. Ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren Dr.med. H.-U. Oxfort, Dr. med. J.R. Schäfer und Dr. med. O. Drieschner zusammen mit dem DAAO-Sekretariat für die tolle Mischung aus einem interessanten Thema von großer wissenschaftlicher Aktualität und neuen Ideen.